Gut oder Böse Teil II: wie entscheidet man das?

In Teil I haben wir erörtert, dass “Gut” und “Böse” relativ sind und auf Basis individueller und kultureller Werte von jedem selbst beurteilt werden. Daher haben wir festgestellt, dass wir allgemeingültige Werte finden müssen, die von Kultur, Spezies und Zeit unabhängig sind, um uns einer möglichst universellen Definition der “Güte” anzunähern.

Carlo Schrodt  / pixelio.de

Ich denke, wir können uns darauf einigen, dass der kleinste gemeinsame Nenner aller Lebewesen das Streben nach Glück und Wohlergehen ist [5]. Für uns ist “gut”, was uns und unsere Lieben glücklich macht. Daher kann man argumentieren, dass das “am besten” ist, was den meisten Lebewesen Wohlsein bringt. [1]

Aber damit müssen wir vorsichtig sein. Auch Glück ist relativ, doch die meisten würden bestätigen, dass Schmerz etwas schlechtes ist – schließlich macht er uns unglücklich, egal ob er physischer oder emotionaler Natur ist. Allerdings hat mir das maschinelle Lernern gezeigt, dass Schmerz ein Lernsignal ist, welches wir annehmen und dem wir Folge leisten müssen, um eine Chance auf Erfolg zu haben – egal womit. Richtig eingesetzt kann dieses Signal ein sehr gutes Werkzeug sein, das uns dabei hilft, die Realität zu sehen und uns an sie anzupassen.

“Schmerz + Reflektion = Fortschritt”

Ray Dalio [2]

Deshalb sind die Jagd nach kurzfristiger Befriedigung und das Vermeiden von Schmerz langfristigem Glück selten zuträglich [5] – sie halten uns davon ab, zu sehen, was gesehen werden muss und zu tun, was getan werden muss.

Außerdem ist es gefährlich, Glück auf nur eine Spezies oder gar nur eine einzelne Gruppe von Menschen zu beschränken. Wir dürfen nicht die Tatsache ignorieren, dass alles und jeder in gegenseitiger Abhängigkeit miteinander verbunden ist, besonders in unserer futuristischen, globalisierten Welt. Wenn wir das Gesamtbild von allen Seiten betrachten, werden wir feststellen: was für das Ganze gut ist, ist auch das Beste für uns. Der kurzsichtige Einsatz von Insektiziden beschützt zwar kurzfristig unsere Ernte, vernichtet aber langfristig die Bienen – wodurch wir letztlich mangels Bestäubung verhungern. [3] Nur in einem gesunden Ökosystem kann ein Lebewesen gedeihen, wozu es selbst auch seinen Teil beitragen muss.

Deshalb möchte ich folgende Definition der Güte vorschlagen: “gut” ist das, was dem Leben in seiner Gesamtheit dient. Der viktorianische Philosoph Herbert Spencer war derselben Meinung als er sagte, dass das beste Verhalten jenes sei, welches zur größten Länge, Breite und Vollständigkeit des Lebens führt. [4]

“Damit etwas ‘gut’ ist, muss es im Einklang mit den Gesetzen der Realität operieren und zur Entwicklung des Ganzen beitragen. […] Die Realität optimiert für das Ganze – nicht für Dich.”

Ray Dalio [2]

Trotzdem sollten wir nicht vergessen, dass es kein “Gut” oder “Böse” im absoluten Sinne gibt – sie bleiben vom Blickwinkel abhängige, menschliche Konstrukte.


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Quellen

[1] https://www.youtube.com/watch?v=FJcHN6wzViA, stand 31.03.2020
[2] Ray Dalio: Work & Life Principles, 2017
[3] https://www.pbs.org/newshour/science/loss-honey-bees-pollinators-mean-malnutrition-millions-around-world, stand 31.03.2020
[4] Will Durant: The Story of Philosophy, the Lives and Opinions of the Greater Philosophers, 1926
[5] Dalai Lama: Das Buch der Menschlichkeit, 1999

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