Wie reagiert der Mensch auf Social Distancing?

In dieser Zeit der Pandemie beeinflusst Social Distancing nahezu jeden Aspekt unseres Lebens. In der bekannten Menschheitsgeschichte gab es bisher nichts vergleichbares. Wie wirkt sich das auf uns aus?

Menschen sind extrem soziale Wesen, Kooperation und Kommunikation tief in unserem Erbgut verankert. Daher ist es nicht überraschend, dass viele – v.a. die Extrovertierten – stark unter Social Distancing leiden. In Zeiten schwerer existenzieller Bedrohung ist dies besonders hart. Desorientierung, Depression und Sucht könnten als Folge zunehmen und das kollektive Trauma und die Angst vor Ansteckung werden uns vermutlich noch lange nach dem Ende der Pandemie begleiten (welche gerade erst begonnen hat und Jahre dauern wird [7]). [1]

Befeuert durch die sozialen Medien ist gesellschaftliche Zurückgezogenheit ohnehin schon auf dem Vormarsch. Jetzt, wo Technologie das meist genutzte Mittel ist, um die Last des Social Distancing zu lindern, könnte sich dieser Trend noch verstärken. Aber wir können noch mehr tun, um mit der Situation bestmöglichst umzugehen [1][2]:

  • Verstehen, dass es weniger soziale als körperliche Distanzierung ist. Wir können immer noch kommunizieren – nicht nur über soziale Medien (die nicht grundsätzlich schlecht sind), sondern auch indem wir mit sicherem Abstand oder übers Telefon miteinander reden.

  • Die Situation mit einer gesunden stoischen Haltung akzeptieren. Es ist, was es ist – unrealistische Erwartungen machen es nur noch schlimmer. Wie Stephen Hawking es formulierte: “Intelligenz ist die Fähigkeit, sich an Veränderung anzupassen.” [3] Innerer Frieden und Ausgeglichenheit bringen selbst in schweren Zeiten Zufriedenheit und können sogar Traumatisierung verhindern [8].

  • Das Positive suchen. Wir können jetzt z.B. die Zeit finden, Dinge zu tun, über die wir schon lange nachdenken (für mich ist das bloß bloggen, aber Sir Isaac Newton schuf in Quarantäne seine größten Werke [4]).

  • Gütig sein und denen in Not helfen – denen in unserer Gemeinschaft und besonders den armen Seelen in anderen Ländern, die sich nicht einmal sauberes Wasser zum Händewaschen oder Essen und ein Dach überm Kopf leisten können, um sich zu isolieren. Selbstlosigkeit wird euch viel glücklicher machen (Shoutout an dasbriefkastenprojekt).

  • Kontrolliere deinen Nachrichten-Konsum. Es ist wichtig, in vernünftigem Maße auf dem Laufenden zu bleiben, aber man muss es auch nicht übertreiben.

  • Entspannungsübungen, bei denen man sich auf den Atem konzentriert, sind sehr beruhigend und effektiver, als Du vielleicht denkst.

Darüber hinaus hat Social Distancing auch offensichtliche psychologische Vorteile. Die Welt entschleunigt, ein seltenes Ereignis in unserer gestört schnellen Dystopie die wir bisher “normal” genannt haben. Jetzt wachen die Leute aus ihrem roboterartigen Alltag auf und stellen fest, wie vergänglich und unecht dieser war und wie schön es ist, Zeit zuhause mit der Familie zu verbringen. Und wenn man nicht raus gehen kann, kann man genauso gut nach innen gehen, reflektieren und es vielleicht sogar mit Meditation versuchen. [5]

Zudem könnte es sein, dass wir, unserer sozialen Kontakte beraubt, diese sogar wieder mehr zu schätzen lernen. Vermehrt hört man von Beispielen großer Solidarität wie etwa dasbriefkastenprojekt. Und sogar unsere dysfunktionalen Dating-Angewohnheiten könnten traditionellerem Vorgehen weichen, da wir nun gezwungen sind, uns die Zeit für besseres Kennenlernen zu nehmen, bevor wir ständig aufeinander rumhängen. [6]

Alle Konsequenzen des Social Distancing vorherzusagen ist allerdings nahezu unmöglich, da es so etwas noch nie gegeben hat. Aber wenn unser Verhalten mitfühlend, ruhig und in Vernunft begründet ist, werden wir das Bestmögliche daraus machen. In Zeiten wie diesen müssen wir zusammenhalten – wenngleich aus sicherer Entfernung.

Und jetzt erfreue Dich an der viralen Reaktion des Internets auf die Ausgangssperre: Memes.


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Quellen

[1] https://www.youtube.com/watch?v=7wPAIqlSLUU, stand 02.04.2020
[2] https://www.psycom.net/coronavirus-social-distancing-mental-health/, stand 02.04.2020
[3] https://www.brainyquote.com/quotes/stephen_hawking_378304, stand 02.04.2020
[4] https://www.washingtonpost.com/history/2020/03/12/during-pandemic-isaac-newton-had-work-home-too-he-used-time-wisely/, stand 03.04.2020
[5] https://www.forbes.com/sites/neloliviawaga/2020/03/27/if-you-cant-go-outside-go-inside-how-meditation-can-make-you-experience-the-best-vacation-of-your-life/#6638b6b74bd5, stand 02.04.2020
[6] https://www.youtube.com/watch?v=b6MhTQPSs20, stand 02.04.2020
[7] https://www.youtube.com/watch?v=3z0gnXgK8Do, stand 05.04.2020
[8] Dalai Lama: Das Buch der Menschlichkeit, 1999